Start Motorrad Trial Pädagogisches Konzept Motorradtrial
    P1020502.JPG

    postheadericon Pädagogisches Konzept Motorradtrial

    Projektdefinition Motorrad Trial


    Historische Entwicklung des Trialsports

    Erstmals ist der Trialsport 1914 in Erscheinung getreten. In den schottischen Mooren von Yorkshire wetteten zwei Männer wer eine bestimmte Strecke besser und schneller bewältigte. Der eine bewältigte den Parcours per Pferd, der andere mit dem Motorrad. Wer letztendlich gewann, ist nicht bekannt. Aus dieser Wette heraus soll der heutige Trialsport entstanden sein.


    Was ist Trial?

    Trial ist eine Sportart, die mit Speziell dafur gebauten Motorrädern ausgefuhrt wird. Trial ist Akrobatik auf Rädern. Es kommt nicht darauf an, einen bestimmten Streckenabschnitt schnell oder mit Kraft und Power zu befahren, sondern sich konzentriert auf die zu bewältigende Strecke zu begeben.

     

    Die Folgenden Anforderungen und Herausforderungen, sind die prägenden Eigenschaften des Trialsports:

     

    • Konzentration auf die Sektion
    • Geschicklichkeit mit den Motorrädern
    • Wahrnehmung der eigenen Körperlichkeit
    • Überwindung von Ängsten
    • Positives Sozialverhalten innerhalb der Gruppe
    • Kennenlernen von neuen Fertigkeiten und Fähigkeiten

     


    Trial ist neben diesen Wichtigen Übungsfeldern auch ein begeisternder und elektrisierender Sport der geeignet ist, Jugendliche hinter ihrer Spielkonsole hervor zu locken.


    Sportgerät Motorrad
    Trialmotorräder sind speziell auf diese Sportart ausgerichtete Motorräder. Diese „Mopeds“ wie sie liebevoll von den Fahrern bezeichnet werden, haben einen niedrigen Schwerpunkt, sind nur im Stehen zu befahren und verfügen über ein sehr gutes Handling. Diese Mopeds sind nicht für hohe Geschwindigkeiten gedacht. Sie haben ein gutes Drehmoment, was ein Befahren von „Steilhängen“, Steinsektionen etc. ermöglicht. Aber auch das extrem Langsamfahren oder auch stehen bleiben ohne einen Fuß abzusetzen ist machbar und auch durchaus gewollt und wird geübt. Die Motorräder sind von 50 ccm bis 350 ccm Motorleistung sowie zu einem Grundpreis von ca. 2500 bis 5000 Euro zu haben. Die bekanntesten Marken sind: GasGas, Montesa, Beta, Jamaha, Cherca.


    Wo findet der Trialsport statt?
    Das „Mopedfahren“ findet nur in den dafür vorgesehenen Gebieten statt. Diese Gebiete können alte Sandkuhlen, Steinbrüche oder selbst angelegte Sektionen sein. Diese Gebiete werden in unterschiedlichen Sektionen angelegt. Die meisten Trialgelände werden von den Fahrern präpariert und so auf ihre eigenen Wünsche, Fähigkeiten und Fertigkeiten hin gestaltet. Es werden Steilstufen, Hindernisse, Abhänge etc. in die Sektionen gebaut und ständig betreut und gewartet. Ein Fahren außerhalb des Geländes findet nicht statt.


    Konzeptionelle Vorüberlegungen der pädagogischen Maßnahmen


    Trialsport als Gruppenaktivität
    Der Trialsport eignet sich für gruppendynamische Prozesse hervorragend. Als „pädagogische Maßnahme“ in Schule oder Freizeit eingesetzt, bietet der Trialsport sehr gute Möglichkeiten mit Jugendlichen und jungen Menschen zu arbeiten. Das Sozialverhalten wird hier entscheidend beeinflusst, denn nur ein gutes Sozialverhalten innerhalb der Trialgruppe, führt zu einem Erfolg. Es stehen Motorräder nur begrenzt zur Verfügung, was ein ständiges teilen und abgeben der Motorräder bedeutet. Es sind viele Kleinigkeiten, die die Sozialkompetenz bei den Jugendlichen erhöhen. Das gemeinsame reparieren der Motorräder und Betrachten der zufahrenden Sektion, dass Auf- und Abladen, dass gegenseitige Helfen bei einem Sturz oder Antreten des Motorrades etc. lässt einen Jugendlichen in seinem Sozialverhalten wachsen.

    Beim Trialsport in der Gruppe, gibt es keinen passiven Teilnehmer. Es sind immer alle direkt oder indirekt am Fahren beteiligt. Dieses zeigt sich an den Reaktionen der Zuschauer, die am Sektionsrand stehen und mit den Fahrern „mitgehen“. Ein Ziel beim Trial ist es, dass die „besser“ fahrenden, den schlechter fahrenden immer zur Seite stehen und evtl. Ratschläge geben. Beim Trial werden Jugendliche immer wieder vor Situationen gestellt, die Angst machen und so ein Gefühl der Ohnmacht erzeugen.
    Hier sollen gruppendynamische Prozesse zum Tragen kommen, wie:

     

    • ein Gefühl der Sicherheit und des Schutzes innerhalb der Gruppe und der Anerkennung durch die Gruppe
    • die Möglichkeit der angstfreien Kommunikation, die in einer Gruppe nur Nichtängstliche haben
    • der angstreduzierende Einfluss Geringängstlicher auf Ängstliche

     

     

    Ziele der Gruppe

    • Gruppenfähigkeit einzelner Jugendlicher, nicht nur in der Trialgruppe
    • Erlangen von Sozialkompetenz
    • Wissenserweiterung (Technik der Motorräder, Physikalischer Kräfte, Ökologischer Zusammenhänge etc.)
    • Angst einzugestehen und zu verbalisieren
    • Genaue Kenntnisse von Gefahren und Fehlerquellen vermitteln
    • Nach Anleitung und Unterweisung selbständig üben und trainieren

     


    Individuelle Ziele

    • Erkennen, dass gutes Fahren nicht gleichbedeutend ist mit schnellem Fahren
    • Einschätzen von Sektionen und Konkurrenten
    • Den Freizeit-, Gesundheits- und Verkehrssicherheitswert des Trials erkennen
    • Beherrschtes Verhalten in Konfliktsituationen, eigenes Fehlverhalten kritisch beurteilen können und Konfliktlösungsstrategien entwickeln

     


    Trialsport als konzeptioneller Bestandteil eines Jugendzentrums
    Der Motorsport bietet die Möglichkeit Verhaltensweisen, wie Aggressivität wahrzunehmen, die nicht nur im Straßenverkehr unerwünscht sind. Motorsport kann die Funktion des Schonraumes wahrnehmen, der es dem Pädagogen gestattet, intensiv auf die sozialen Fähigkeiten der Jugendlichen Einfluss zu nehmen. Trial heißt nicht, auf einer Betonpiste im Kreis herum zu rasen. Trotzdem erfreut sich Trail großer Attraktivität für Jugendliche. Körperbeherrschung, Reaktionsvermögen, Situationsantizipation (Vorhersehen von Komplikationen), technisches Verständnis, das Umsetzen gesehener Informationen in adäquate Handlungen und eine Reihe anderer Fähigkeiten und Fertigkeiten werden beim Trial sozusagen nebenbei mit viel Spaß erworben und geübt. Unter vernünftiger Anleitung und Betreuung ist Trialfahren für 10 jährige nicht gefährlicher als Tennis, Segeln oder Fußballspielen. Unser Angebot richtet sich allerdings an ab 13 jährige.


    Trail als Präventionsangebot


    Steigerung des Selbstwertgefühls
    Ein Hauptanliegen in der Jugendarbeit ist die Steigerung des Selbstwertgefühls. Viele Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen sind darauf zurückzuführen, dass sie kein ausreichendes Selbstvertrauen haben. Jugendliche, die zuvor nur auf Ablehnung, Skepsis und mangelnde Zuneigung gestoßen sind, nehmen Angebote wie das Trialfahren gerne wahr. Denn durch den Zusammenhalt, die planvolle Betreuung und durch das gemeinsame Trainieren bekommen Jugendliche eine positive Bestätigung ihrer Persönlichkeit.
    Gerade beim Trialsport haben Jugendliche schnelle Erfolge, auch bedingt durch die Attraktivität des Sportgerätes Motorrad. Es gibt auf einmal wieder Menschen, die sich für ihr individuelles Tun interessieren. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass sie etwas besser können als die Erwachsenen und anderen Jugendlichen, durch ihre bereits erworbenen Erfahrungen, weiter helfen können. Durch hartes und vor allem konzentriertes Trainieren lernen die Jugendlichen, ehrlich zu sich selbst zu sein. Sie lernen sich von einer neuen Seite kennen, die ihnen zuvor oft nicht deutlich oder bewusst war. Beim Trial erfahren die Jugendlichen Situationen, in denen sie lernen ihre eigenen psychischen und physischen Kräfte einzuschätzen.

    Abbau von Aggressionen
    Der körperlich anstrengende Trailsport ist ein guter und wichtiger Ausgleich zum bewegungsarmen Schulalltag. Gerade durch die Nichtauslastung und Nichtforderung im körperlichen Bereich, können Aggressionen gegen sich selbst aber auch gegen andere verstärkt werden. Die Beherrschung einer Trialmaschine ist nicht nur eine körperliche Herausforderung. Sie löst auch Euphorie und Glücksgefühle aus, die Frustrationen und Kränkungen gegenüber für mehr Toleranz sorgen. Aggressionen sind häufig das Produkt einer bewusst oder unbewusst erlebten Enttäuschung. Aggressive Verhaltensweisen von Jugendlichen können beim Trial geleitet oder auch abgebaut
    werden. Frustrationstoleranz ist beim Trial von großer Bedeutung. Denn nur wer über ausreichend Toleranz gegenüber Niederlagen verfügt, kann bei Anforderungen bestehen. Hohe Anforderungen können sein: Teilen des Motorrades mit anderen Jugendlichen, schwere Sektionen, öffentliche Turniere, eigene Fehler beim Durchfahren einer Strecke, Anerkennung von Entscheidungen z.B. eines Sektionsrichters, das Tolerieren eines technischen Defektes u.v.m.

    Sozialisation und Leistungsfähigkeit

    In einer leistungsbezogenen Gesellschaft fallen immer mehr Jugendliche durch ein bestimmtes Raster, da sie den gestellten Anforderungen nicht gewachsen sind. Schule und Beruf verlangen ein angepasstes und kooperatives Verhalten von jungen Menschen. Dieses setzt allerdings voraus, dass sie so etwas wie eine „normale“ Sozialisation erfahren haben. Manche Jugendliche, bestehen die alltäglichen Anforderungen in Schule und Beruf nicht oder nur zum Teil. Dieses zu korrelieren und zu verbessern, ist unser Ziel.
    Es kann immer nur wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass gerade der Motorsport und hier der Trialsport große Popularität bei Jugendlichen genießt. Unsere Einrichtung versucht nun u. a. durch die Einrichtung einer Trialgruppe solche missliebigen Verhaltensweisen wie Gewalt, Aggressionen, zu niedriges Selbstwertgefühl, sowie
    die Stärkung von Sozialkompetenz, Erweiterung von Fachwissen etc. aufzufangen und das Sozialverhalten und die Leistungsfähigkeit zu fördern.

     
    JubA23